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Samstag, Mai 09, 2009

Beam me up Scotty, this movie sucks!

Nach den Reisestrapazen hatte ich erst heute das Gefühl, wirklich in Amerika angekommen zu sein. Der gestrige Fahrtag war nur schemenhaft an mir vorbeigerauscht und ich wäre unterwegs einige Male fast eingeschlafen. Heute ging die Reise weiter von Yakima nach Lewiston in Idaho. In diesem Bundesstaat waren wir bisher noch nie. Große Kartoffeln soll es hier geben... Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir unser Hotel. Ich wollte uns dann telefonisch zwei Plätze für eine Bootstour auf dem Snake River buchen, wobei wir befürchteten, es könnte so kurzfristig zu spät dafür sein. Das Gegenteil war allerdings der Fall: Durch die Wirtschaftskrise ist der Tourismus hier in der Gegend eingebrochen und es lagen nicht genügend Anmeldungen für eine Tour vor. Acht Personen wären nötig gewesen, mit uns kam die Zahl der Interessenten lediglich auf sechs. So fällt die geplante Flussfahrt morgen leider aus. Als nächstes war es Zeit für ein spätes Mittagessen. Da von unseren bevorzugten Restaurantketten nur Red Lobster in der Gegend ansässig ist, war die Entscheidung nicht schwer. Gesättigt fuhren wir weiter zum Kinocenter, um uns dort Star Trek anzusehen. Tja, und damit ist es jetzt Zeit für Mikes Rubrik

"Zehn Gründe warum der neue Star-Trek-Film meiner Meinung nach schei...äähh...schlecht , aber so richtig, wirklich, megatatsächlich schlecht ist":

  1. Völlig unpassende Musik. Versetzte einen früher das Anfangsthema sofort ins Star-Trek-Universum, dachte ich hier: Sitze ich im richtigen Saal? Kurz vor dem Abspann, als die Titelmusik der Serie erklang, passte die Musik zum ersten und einzigen Mal zum Film.
  2. Kid Kirk ist schon als Teenager ein furchtbarer Rebell und lässt als James-Dean-Kopie ein Auto über die Klippe stürzen. Überflüssige Szene.
  3. Die Enterprise wird in Iowa am Boden (!!!!) gebaut. Klar, sonst hätte man den Halbstarken Kirk nicht so schön in der Szene platzieren können. Und natürlich wird er von Captain Pike persönlich auf den rechten Pfad gebracht und hüpft zu den anderen Kadetten ins Shuttle zur Academy... Wieso wurde McCoy eigentlich zur gleichen Zeit in Iowa angeworben und kommt kurz nach Kirk ins Shuttle... Vermutlich, um mit Gewalt alle wichtigen Charaktere schnell beisammen zu haben. Vernünftige Story? Braucht man nicht... Uhura ist natürlich auch schon da. Die hatte Jimmy Kirk am Abend vorher ja schon in einer Bar kennengelernt.
  4. Absurde Zeitsprungstory um einen Romulaner, der die Föderation auslöschen will, weil er glaubt, Spock habe mit seiner bösen roten Kugel ein schwarzes Loch gebastelt, das die Heimatwelt der Romulaner weggesaugt hat. Nun lauert Nero, ja so heisst der rachsüchtige Romulaner zu allem Überfluss, am Ausgang des schwarzen Lochs auf den alten Spock, klaut dem die rote Kugel und greift Vulkan an... Logisch, dass gerade alle Föderationsschiffe beschäftigt sind, so dass die Kadetten auf ein paar Raumschiffe aufgeteilt werden und zur Rettungsmission starten. Nö, wirklich keine gute Geschichte... Selbstverständlich schafft es nur die Enterprise nicht in die Falle zu fliegen, so dass der Showdown beginnen kann.
  5. Jetzt wird es richtig schlimm: Uhura hat ein Verhältnis mit Spock, da wird im Turbolift geknutscht und im Kinosaal zweifle ich an meinem Verstand. In der ganzen Serie gibt es nicht den kleinsten Bezug zu dieser Romanze.
  6. Geht es noch abstruser? Sicher. Aber zuerst noch schnell ein weiteres Klischee ausgeschlachtet: Außenmission ist angesagt. Es nehmen teil: Kirk, logo. Sulu, warum der? Kommt gleich. Und ein Namenloser, der als einziger rot gekleidet ist. Dämmert's? Genau, ein Redshirt! Klatsch, da war er futsch. Jetzt ist die große Kampfszene an der Reihe. Kirk in klassischer Schlägerei. Und Sulu? Zieht ein sich selbst verlängerndes Rapier und trägt einen Fechtkampf aus. Gut, dass sein Gegner zufällig auch eine entsprechende Waffe dabei hat... Oh boy. Derartige Fecht-Kämpfe sehen bei Star Wars - wo dieser Fight vermutlich geklaut wurde - viel besser aus.
  7. Chekov. Nicht genug, dass man einen Schauspieler besetzt hat, der kaum Ähnlichkeit mit Walter Koenig hat, nein man versucht aus dem russischen Akzent jeden Tropfen an eventuell vorhandener Lustigkeit zu quetschen. Das ist kurz etwas lustig, dann sehr schnell nur noch öde. Und kann mir jemand verraten, wann Chekov zum Superexpertenoberchecker am Transporterpult geworden ist?
  8. Wer fehlt noch? Scotty. Der wird nebenbei irgendwo aufgegabelt, bekommt vom alten Spock schnell das Mega-Beamen über ultragroße Distanzen auf Raumschiffe die mit Warpgeschwindigkeit unterwegs sind beigebracht - irgendwie musste man Kirk und ihn ja wieder an Bord der Enterprise befördern, also die gute Deus ex machina aktiviert. Wie lustig, dass Scotty in einer Wasserrohrleitung rematerilasiert und dort wild rumgespült. Was haben wir gelacht... nein not really.
  9. Das Aussehen der Enterprise. Hatte man sich bei der Serie Star Trek:Enterprise noch viel Mühe gegeben, den Look so zu gestalten, dass er in die Star-Trek-Welt passte, wurde es im Film nicht einmal versucht. Die Dimensionen im Maschinenraum waren absurd gewaltig. Die Brücke... ach lassen wir's.
  10. Die Darsteller. Wirklich überzeugen konnte mich nur Karl Urban als Bones bzw. Pille. Zachary Quinto als Spock war okay, wobei man Mühe hatte, zu vergessen, dass er der Fiesling aus der Serie Heroes ist.

Fazit: Der gezielte Versuch ein neues Publikum zu gewinnen, bleibt die Frage, wieviele alte Fans vergrault werden.

Ab ins Hotel. Blog schreiben. Schlafen.

Posted by Mike at 11:37 PM